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Der Blick des Adlers
Über jeglichem Geschehen steht seine Autorität. Die Schwingen ausgebreitet, fest entschlossen mit Würde allen Unbilden zu widerstehen. Aufzusteigen und aus hohen Gefilden nach unten zu blicken, ist die Natur des Adlers, nichts entgeht seinem wachsamen Blick. Mit scharfen Krallen, kraftvollen Schwingenschlägen wagt er sich in beißende Winde, jener allzu flüchtigen Welt enthoben, wo er in grenzenloser Freiheit eins mit sich ist. Wie gern würde ich mit ihm auf die Reise gehen! – Doch vielleicht begleite ich ihn . . . und weiß es nur noch nicht.
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Eintracht
Verbundenheit. Gemeinsam zu wachsen und dabei ineinander verwachsen zu sein. Zeit offenbart die Gründe, in Frieden und Harmonie miteinander eins zu werden. Sehnsuchtsvolle Gedanken leiten mich und malen mir das Bild eines friedvollen Gleichgewichts. Warum erblickte ich so oft Unfriede, Trennung und Zwietracht in meiner Welt? Lag es daran, dass ich feindlich und ängstlich die Welt betrachtete? Es gibt mehr und mehr Momente, in denen sich mir anderes zeigt. Es zeigt sich, was ich mir wünsche und für was sich mein Blick begeistert. Ein Blick, der eine wunderbare Realität erschafft. Wenn ich in Zwietracht sehe, sehe ich Zwietracht. Wenn ich…
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(Kl)einheit
Zeitlebens dachte ich in der Ausweitung läge die Stärke und die Kraft. Im Lauf des Lebens habe ich jedoch erkennen dürfen, dass sich Stärke und Kraft vielmehr in der Kleinheit zeigt. Je kleiner, um so filigraner. Im Kleinen offenbart sich ein faszinierendes Universum, welches oft geringgeachtet wird. Ist der Weg nach Innen nicht der Weg von der Ausweitung zur Kleinheit, von jenem grenzenlosen Ausdehnungswillen des Universums zur unendlichen Verfeinerung? Jener winzige Weinberg auf meinem Weg erinnert mich gütig an die Maßlosigkeit, in der ich mich verlor und verflüchtigte. Einst entwuchs ich der Kleinheit und werde irgendwann zu ihr zurückkehren. Nunmehr…
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Das Krokodil
Immer wieder begegne ich auf meinen Wanderungen Wesen, die kühn meiner Phantasiewelt entspringen und mich lächeln lassen. Ich frage mich, ob irgend jemand meine Beobachtung teilt oder ob ich in meiner eigenen Welt verlorengegangen bin. Es ist wieder soweit, als ich bei einer Wanderung einen mit Moos bewachsenen Baumstamm sehe und ein Krokodil auszumachen glaube. Jeder von uns besitzt seine Welt der Phantasie, in der er darüber entscheidet, was sein darf und was nicht, was zur Wirklichkeit wird oder nur ein flüchtiger Gedanke bleibt. Es ist eine Frage des Willens und Glaubens, welche eine Welt der eigenen Wirklichkeit . .…
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Der Wanderer
Der Zufall führt mich wieder einmal zu einer Steinfigur, in der ich mich wiedererkenne. Lächelnd schreite ich an der Figur am Wegesrand vorüber und wundere mich längst nicht mehr über diese an mich gerichtete Anspielung des Schicksals. Einen Wanderer erkenne ich, der sich auf dem Weg zu sich selbst befindet, dessen grobe Form sich bei der Betrachtung verfeinert und vor meinem inneren Auge Kontur anzunehmen beginnt. Ein Wanderer, der sich auf den Wanderungen selbst begegnet und erkennt. Auf dem Weg zu sich selbst, durchwandert er, was er ist. Um ihn sind Wege zu sich selbst angelegt und auf jedem dieser…
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Aufforderung
Liebevoll im behaglichen Abendwind wiegend, am Dasein labend, wild herangewachsen, in Entfaltung leuchtend. Eine natürliche Schönheit. Bezaubernd, wie sie mir im wildem Ungestüm und Freiheitsverlangen gegenübertritt. Jene aufreizende Darbietung der Natur wird von mir nach kurzer Betrachtung zurückgelassen. Kurz kam mir in den Sinn, dass ich jenes wilde Gewächs hätte abschneiden und mitnehmen können, doch wollte mich der Gedanke schmerzen. Welch zweifelhaftes Verlangen, es als Eigentum zu betrachten und für mich besitzen zu wollen. Warum töten, um zu besitzen? Ich genieße mit Freude die Offerte und gehe weiter, auf dass sich jemand anderer am Anblick erfreut. Ich bin entzückt, dass…