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Versinnbildlicht
Was mag sich der Schreiber dieser Zeilen gedacht haben, frage ich mich. Unversehens denke ich an etwas Politisches, bis mir nach einem kurzen Augenblick das Lächeln einfriert und ich den Sinn in dem Gesehenen suche. Könnten die Zeilen anders gemeint sein, als ich denke? Wir spielen in diesem Leben unsere Rolle, aber wir werden diese Rolle irgendwann wechseln. Wir werden eine neue Rolle besetzen, . . . im Spiel des Lebens, das stets dasselbe Spiel ist. Wie schnell glaubt man einen Sinn erkannt zu haben, hinter dem man einen anderen übersah. Gedanken sind flüchtig, Sinn erschließt sich aus dem Gedachten.…
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Möglichkeiten
Wege führen früher oder später zu Möglichkeiten. Sie führen zum Richtungswechsel, ob wir wollen oder nicht. Sie zwingen uns zum Verlassen des bisherigen Weges. Wohin gehen wir? Für welchen Weg entscheiden wir uns? Sind wir bereit, den bisherigen Weg zu verlassen und einen anderen Weg zu gehen? Einen geraden Weg gibt es nicht. Jeden Weg gehen wir solange, bis wir die Richtung ändern, freiwillig oder weil wir vom Weg des Lebens dazu gezwungen werden. Möglichkeiten zeigen sich an Wegscheiden, auf die wir früher oder später stoßen und an denen wir uns entscheiden. Der Weg, den wir gehen werden und die…
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Abglanz
Der Glanz ist vergangen und doch kehrt er noch einmal in besonderer Form ins Gegenwärtige zurück. Die hoffnungsvolle Farbe von einst hat sich zur Helligkeit gewandelt, um den bevorstehenden Verfall zu empfangen. Kommt es mir bei der Betrachtung nur so vor oder zeigt sich mir das Leben in der reinsten und konsequentesten Form? Im auflebenden Abglanz, der mir als verlöschender Glanz der Gegenwart erscheint, um der Zukunft zu entgehen. Vergangenheit und Zukunft, die sich im stattfindenden Jetzt vereinen und die würdige Sprache des Lebens sprechen. Als Abglanz ihrer Zeit – in der Zeit.
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Herbsttanz
Der Herbst hält Einzug, der Sommer weicht zurück. Abende verlagern sich in den späten Nachmittag. Zeit scheint dehnbar und flüchtig zu werden, als ich im Niemandsland des frühabendlichen, spätnachmittäglichen Sonnenlicht auf den verborgenen Pfaden dem Herbsttanz beiwohnen darf. Da die Sonne bereits unterzugehen beginnt, erscheint mir der Tanz als Tanz gegen das Vergehen, spielerisch und durchs versiegende Sonnenlicht vor mir aufgeführt, ehe die Ruhe der kommenden Nacht und des herannahenden Winters Einzug hält. Jeder tanzt auf seine Weise und für das, was am Ende des Tages und schließlich am Ende des Sommers auf ihn wartet. Ob der Tanz der letzte…
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Gaia
Zufrieden mag sich fühlen, wer eine Zuflucht hat und bei ihr geborgen ist. Wer unter einer Obhut steht und ihr vertraut, auf dass ihm nichts geschehe. Geborgen mag sich fühlen, wer den Anker hält, der ihn in der Brandung rettet, bevor ihn die Strömung fortreißt und er im tobenden Meer versinkt. Gewürdigt mag sich fühlen, wer das Vertrauen erkennt, von dem er freudvoll umfangen ist und das ihm widerfährt, ohne dass zu viel von ihm verlangt wird. Gehuldigt mag sich fühlen, wer gewürdigt und geachtet wird, wer spürt, dass er dort ist, wo er hingehört. Der Gehuldigte ist sich gewiss,…
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Tripod
Wie ein Gespenst steht auf einmal die Kreatur neben mir, droht alleine mit ihrer seltsamen Erscheinung. Ich fühle mich sogleich ertappt und glaube ihr nicht entkommen zu können. Aufgeregtheiten werden schlagartig wach und ich erinnere mich, wie ich als Junge eine Fernsehserie sah, in der ich jedes Mal erschreckte, als dreibeinige Kreaturen durch das Bild spazierten. Einen Augenblick lang bin ich weggetreten und verliere mich, in dem Traum an die Erinnerung, der mich jetzt so sonderbar überkommt. Wie oft mich die Vergangenheit auf meinen Wegen verfolgt, mich auffordert in der Zeit zurückzugehen und einen Moment bei ihr zu verweilen. Fehlt…