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Selbstbetrachtung
Bewachsenes Felsgestein als verdrängte Gefühle, erlittene Verletzungen und erfahrene Demütigungen, die auf der Seele lasten. Moos, Laub und allerlei Gewächs hat sich im Lauf der Zeit gefällig darüber ausgebreitet. Felsbrocken, zwischen denen ich erschöpft umherwandle, fordern mich zum Innehalten auf. Anstrengend war mein Weg hierher. Die Abgeschiedenheit und Lautlosigkeit dieses Ortes scheint mich magisch angezogen zu haben. Während ich innehalte und mich umsehe, bemerke ich, wie mystisch mir dieser Ort erscheint. Auf unheimliche Weise kommt es mir vor, als würde ich mich in diesem Moment selbst betrachten. Doch es ist bloß eine überwachsene Felsenlandschaft.
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Augenblick
Aus einem Augenblick entsteht eine wundersame Gewissheit, die mein Weltbild erweitert. Ein Steingebilde wird durch Lichteinfall und Schattenwirkung in einem dicht bewachsenen Steinbruch zum Augenblick für mich. Ich befinde mich zur richtigen Zeit am richtigen Ort und halte diesen Augenblick im Innehalten fest. Was wird zur Einbildung des Augenblicks? Was erscheint als wahr und stellt sich als falsch heraus? Was hat es mit dem hellen, aufrecht stehenden Lebewesen auf sich, welches sich mir als eine phantasievolle Verbindung zwischen Pferd und Eisbär aufdrängt? Möchte ich diesen Augenblick wahrnehmen oder soll er mir verborgen bleiben, weil ich achtlos durchs Leben eile? In…
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Herz aus Stein
Das getragene Kreuz war zur beschwerlichen Last geworden und ließ das Herz zu Stein werden. Lange Zeit in Gefühllosigkeit zugebracht und Sehnsucht nach Gefühlen verspürt. Gefühle blieben trotz der Sehnsucht fremd und unerreichbar. Jeder Drang zur Freude schien dahingeschmolzen und in der Tiefe verlorengegangen zu sein. Im einfallenden Licht möchte mir das Kreuz als ein Schatten erscheinen, den das Herz aus Stein zu tragen scheint. Meine Schatten will ich loswerden und mit Freude leben. Mein Stein gewordenes Herz will ich aus dem Gefängnis befreien, damit es wieder lieben darf. Die Gefängnisse werden aus Gedanken errichtet. Ihre Mauern verblassen im Licht…
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Alterswürde
Die alten Riesen stehen hochaufragend und wachend vor mir. Bald schon werden sie im dichten Blätterwald meinen Augen verborgen bleiben. Für mich sind es faszinierende Wesen, die lange vor meiner Zeit hier standen und lange nach mir dort stehen werden. Ihr Alter und ihre Würde ist für mich Symbol meiner eigenen Endlichkeit wie auch meines kurzweiligen Gastspiels in dieser Welt. Feierlich erwachen die alten Riesen in diesen sonnigen Tagen zu einem neuen Leben und verkünden mir, dass es die Würde des Alters gibt. Obwohl ich im Vergleich mit ihnen jung sein mag, werde ich mir mehr und mehr meines fortgeschrittenen…
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Tristesse
Ein Weg, der sich auftut und mich innehalten lässt. Ein Weg, der ins Vage führt, ins Unbestimmte und Ungewisse. Der Weg der Tristesse, auf dem sich Zweifel und Zuversicht begegnen und zur Gleichgültigkeit werden. Es liegt an mir, ob ich den Weg zur Gleichgültigkeit gehe, der mich von mir wegführt. Eine Zuversicht lässt mich wachsam sein, für Tage, Wochen und Monate, hin zum Erwachen . . . in der zweifelhaften Betrachtung der einladenden Tristesse. Ich ließ mich nicht einladen, sondern ging den ursprünglichen Weg zuversichtlich weiter. Die Gleichgültigkeit ist mir gleichgültig geblieben.
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Mephistophelisch
Eine plötzliche Wahrnehmung im freundlichen Sonnenlicht. Emporlodernde Feuersbrunst, in der sich eine diabolische Gestalt mit einem Pferdekopf aufbäumt und mich anzublicken scheint. Während ich gebannt zu dem Felsengestein am Wegesrand hinschaue, nehme ich ein Drachenantlitz wahr, das lauernd dem Pferdekopf entsteigt. Eine Dämonenerscheinung scheint sich mir am Wegesrand zu zeigen. Ein Hinweis, dass sich Dämonisches auf mancherlei Weisen offenbart. Oder ist meine Phantasie plötzlich mit mir durchgegangen?