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Höhenrausch
Mit dem Raureif tritt mir auf den zugigen Anhöhen eine faszinierende Welt gegenüber. Drückender Nebel, durch den ich mir in trüber Einsamkeit meinen Weg bahne und auf dem mein Schritt unsicher bleibt. Die vertrauten Farben sind verschwunden und werden unter dem Puderzucker vager Hoffnungen von einem kalten Wind gestreichelt. Stille ringsum. Mein Atmen erscheint mir laut und erstirbt im Nebel, als würde er danach verlangen. Kälte besitzt eine eigene Schönheit, der ich mich in meiner Einsamkeit anvertraue. Bei ihr finde ich meine Wärme, die sich als Sehnsucht nach Zuneigung verkleidet. Jede Beobachtung verwischt sich mit dem Nebel, während ich in…
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Erwartungsvolle Heimreise
Der heutige Abend ist früh hereingebrochen und überall hat sich ein lieblicher Glanz wie ein Vorhang ausgebreitet. Staunend blicke ich in Richtung meiner beabsichtigten Reise und betrachte in der Ferne die Wärme des Lichts. Noch steht das Signal in einiger Entfernung auf Rot. Der Zug kommt noch nicht, genügend Zeit, um in meiner Erwartung zu verharren. Wo der Weg endet, bin ich zuhause und lasse friedlich meine Erwartung zurück. Ich gebe mich hin, um meine Sehnsucht zu huldigen, die mich vorerst noch an meine Erwartung bindet. Die Einfahrt des erwarteten Zuges in den lieblichen Glanz, mein Verschwinden im leuchtenden Licht…
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Jeder Tag ist ein Geschenk
Hoffnung für einen neuen Tag keimt auf, sobald sich ein Tag seinem Ende zuneigt. Die Nacht zieht herauf und nimmt den vergangenen Tag leise mit sich fort. Entfernt verglimmt das Licht und lässt mich Figuren erahnen, lautlos mahnend im rötlichen Schein der Abenddämmerung, ein verschwiegener Fingerzeig. Die Schwärze der Nacht schleicht heran, Leben verstummt im Weltengesang. Meine müden Schritte fallen mir schwer, weil ich mich im hereinbrechenden Nichts zu verirren drohe. Dem Abend entspringt die Hoffnung des kommenden Tages, ehe auch dieser von der Nacht davongetragen wird und neue Hoffnung schenkt. Das Gleichgewicht des Gebens und Nehmens, das Erhalten eines…
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Abgeerntet
Die Ernte wurde eingeholt und erwies sich wieder einmal als üppig. Nacktheit und Kühle eines sich dem Ende zuneigenden Jahres wird Einzug halten und noch einmal eine Ahnung des Vergangenen erwecken. Tage werden kürzer, Gedanken melancholischer, Hoffnungen und Sehnsüchte nach Ruhe und Wohlbehagen entstehen, im zunehmenden Schweigen eines verspielten Träumens. Im Gleichmut beginnen sich die steilen Weinhänge zu erholen. Mancher Tag entledigt sich indes zögernd seiner Wonne und Erwartung, ehe er im Abendglanz zum Schweigen wird. Gebändigt übergab die Natur dem menschlichem Verlangen, sammelt sich, um einzuschlafen, nachdem sie in der Hege und Pflege, Erwartungen erfüllt und Früchte für Freuden…
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Weg – laufen
Einen finsteren Weg zu beschreiten und mit jedem Schritt in den Schmerz hineinzulaufen, kann der Weg des Weglaufens sein. Einem sinisteren Weg zu folgen, sich im Verletzt sein weiter zu verletzen, kann die Erweiterung des Weglaufens sein. Den Weg ins Dunkel zu gehen, in Melancholie und Schwermut zu torkeln, kann der Umweg sämtlicher Wege sein. Es gibt Wege, . . . . . . die ich im Finstern beschreite, denen ich folge, um vor mir wegzulaufen, gegen mich anzulaufen oder um meine Ängste und Blockaden zu vergessen, die mich auf meinem Weg verfolgen. Laufen, um bei mir anzukommen, . .…
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Herbstgewölbe
Die große Müdigkeit und das Verblassen der Natur beginnt mit der Einladung zum Innehalten. Zaghaft trete ich ein in die verblassende Welt der Farben, ins Herbstgewölbe, wo meine Sinne sanft berauscht werden. Erwartungsvoll schreite ich dem Sonnenlicht entgegen und nehme die wartenden Schatten als den Lauf des Lebens hin. Noch einmal möchte ich Farben genießen, mir noch einmal selbst begegnen, bevor der Herbst das Leben grau in grau zu malen beginnt. Im Herbstgewölbe verliere ich mich im besinnlichen Moment, entsinne mich eines Sommers, in dem ich mein Herz an die blühende Natur vergab. Im Herbstgewölbe werde ich ausharren, bis der…