-

Herz aus Stein
Das getragene Kreuz war zur beschwerlichen Last geworden und ließ das Herz zu Stein werden. Lange Zeit in Gefühllosigkeit zugebracht und Sehnsucht nach Gefühlen verspürt. Gefühle blieben trotz der Sehnsucht fremd und unerreichbar. Jeder Drang zur Freude schien dahingeschmolzen und in der Tiefe verlorengegangen zu sein. Im einfallenden Licht möchte mir das Kreuz als ein Schatten erscheinen, den das Herz aus Stein zu tragen scheint. Meine Schatten will ich loswerden und mit Freude leben. Mein Stein gewordenes Herz will ich aus dem Gefängnis befreien, damit es wieder lieben darf. Die Gefängnisse werden aus Gedanken errichtet. Ihre Mauern verblassen im Licht…
-

Alterswürde
Die alten Riesen stehen hochaufragend und wachend vor mir. Bald schon werden sie im dichten Blätterwald meinen Augen verborgen bleiben. Für mich sind es faszinierende Wesen, die lange vor meiner Zeit hier standen und lange nach mir dort stehen werden. Ihr Alter und ihre Würde ist für mich Symbol meiner eigenen Endlichkeit wie auch meines kurzweiligen Gastspiels in dieser Welt. Feierlich erwachen die alten Riesen in diesen sonnigen Tagen zu einem neuen Leben und verkünden mir, dass es die Würde des Alters gibt. Obwohl ich im Vergleich mit ihnen jung sein mag, werde ich mir mehr und mehr meines fortgeschrittenen…
-

Tristesse
Ein Weg, der sich auftut und mich innehalten lässt. Ein Weg, der ins Vage führt, ins Unbestimmte und Ungewisse. Der Weg der Tristesse, auf dem sich Zweifel und Zuversicht begegnen und zur Gleichgültigkeit werden. Es liegt an mir, ob ich den Weg zur Gleichgültigkeit gehe, der mich von mir wegführt. Eine Zuversicht lässt mich wachsam sein, für Tage, Wochen und Monate, hin zum Erwachen . . . in der zweifelhaften Betrachtung der einladenden Tristesse. Ich ließ mich nicht einladen, sondern ging den ursprünglichen Weg zuversichtlich weiter. Die Gleichgültigkeit ist mir gleichgültig geblieben.
-

Mephistophelisch
Eine plötzliche Wahrnehmung im freundlichen Sonnenlicht. Emporlodernde Feuersbrunst, in der sich eine diabolische Gestalt mit einem Pferdekopf aufbäumt und mich anzublicken scheint. Während ich gebannt zu dem Felsengestein am Wegesrand hinschaue, nehme ich ein Drachenantlitz wahr, das lauernd dem Pferdekopf entsteigt. Eine Dämonenerscheinung scheint sich mir am Wegesrand zu zeigen. Ein Hinweis, dass sich Dämonisches auf mancherlei Weisen offenbart. Oder ist meine Phantasie plötzlich mit mir durchgegangen?
-

Im Nebel
Konturen der vertrauten Umgebung sind verlorengegangen. Kälte und Feuchtigkeit hat sich über das Land gelegt. Feuchtkalt begleitet mich ein Windspiel, während ich durch den Nebelvorhang schreite und mir einsam und verloren vorkomme. Lange Zeit ist mir niemand mehr begegnet. Es scheint, als würden sich meine Umrisse im Nebel auflösen, in dem ich zu verschwinden glaube. Plötzlich erscheint eine Silhouette im Nebel vor mir. Ein einsam dastehender Baum, zu dem sich ein Holzkreuz gesellt hat. Als ich vorüber schreite, verschwindet die Silhouette bereits im Nebel hinter mir. Gleichsam verschwinde ich und nehme meinen Glauben an mich und meine Einsamkeit in den…
-

Vergangenheits-Verlust
Vergangenheit als gedachte Gegenwart. Vergangenheit, in der ich mit jedem Gedanken verstrickt bin und als die ich in meinen Gedanken mein Leben in der Gegenwart betrachte. Alles, was durch die Gedanken in die Vergangenheit gelegt wird, zerfällt nurmehr in der Gegenwart. Gedankengebilde verflüchtigen sich und wandeln sich in Bewusstwerdung um. Vergangenheit löst sich auf, wenn sie wieder zur Bewusstsein wird. Ein altes, verborgen liegendes und verwittertes Bauwerk, das seinen ursprünglichen Zweck schon lange Zeit verloren hat, erinnert mich im Jetzt an die Vergänglichkeit jedes gedachten Daseins. Jeder vergangenheitsverlorene Gedanke löst sich früher oder später ganz von selbst auf. Willkommen im…