Am Ende bleibt Gewissheit

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Jede Reise durch das menschliche Leben läuft in der vorgegebenen Fahrlinie irgendwann auf ihr Ende zu.

Wenn die Reise endet, sämtliche Beziehungen abgeschlossen sind, wird sie von ihrem Ende her betrachtet und verstanden werden, um die in ihr ruhende Gewissheit zu verstehen.

Irgendwann stieg man in diese Reise durch das Leben zu und unternahm sie zunächst mit kindlichem Staunen. Man erfreute sich am Vorüberziehen der Lebenslandschaft, glaubte sich hier und da vergnügen zu müssen oder sich aus jedem einzelnen Moment heraus verstehen zu können.

Geradeso verlief die Reise über Höhenunterschiede hinweg, mal aufwärts, mal abwärts, während man, entgegen aller Ängste und Sehnsüchte, auf der geraden Fahrlinie verblieb.

Lebensreisende begleiteten uns. Manche kamen uns entgegen, grüßten uns kurz und verabschiedeten sich wieder. Hier und da grüßten wir sie zurück, versuchten sie festzuhalten oder warfen ihnen befremdliche, mitfühlende oder anteilnehmende Blicke nach.

Irgendwann jedoch erwartet man das Ende der Reise. Man bereitet sich auf den Ausstieg vor. Jede Fahrt wird früher oder später zur Routine, die nicht mehr den verführerischen Reiz ihres Anfangs innehat.

Niemand mag uns wirklich während unserer Reise begleitet haben, niemand mag uns tatsächlich entgegengekommen sein. Irgendwann hat man einfach begonnen, sich auf seiner persönlichen Reise alleine zu fühlen.

Jeder vollzieht seine Reise durch sein Leben allein. Wir lernen uns dabei als Individuen kennen, die wir von Anfang waren, um die Reise anzutreten.

Eine einsame Reise als Mensch, eine Reise des menschlichen Alleinseins.

Durchaus eine gemeinsam unternommene Reise als entfremdetes Individuum in der eigenen Fahrlinie, die sie von Beginn an gewesen ist, aber womöglich erst sehr spät von uns erkannt wurde. Eine Fahrt der äußeren Einsamkeit, in einer inneren Verbundenheit uns selbst gegenüber.

Ich warte nun, wie jeder andere, am Ende meiner Fahrt auf mich selbst und sehne mich danach, mich willkommen zu heißen.

Mit der Gewissheit des einsam Gereisten, empfinde ich keine Angst vor dem Ausstieg.

Denn erst mit dieser Gewissheit des Getrenntseins erhielt meine Reise in der Einsamkeit ihr Gutes.

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