Die Grenze von einst sicherte mich nach außen hin ab und verlieh meinem verletzlichen Inneren die ängstlich ersehnte Sicherheit.
Innerhalb der Grenze erschuf ich mir eine Identität, in der ich im tröstlichen und verlässlichen Glauben an mich selbst lebte.
Die Grenze wurde oftmals nicht von mir erkannt und aus Unwissenheit immer wieder verletzt. Die Grenze wurde von innen her nicht von mir beachtet, so dass ich sie überschritt, indem ich nach außen trat und gegen mich selbst handelte.
Hinter meiner Grenzlinie verschanzt, versuchte ich mir treu zu sein, auch wenn sich die Zeit in sie hineinfraß. Sie war ein Schutzwall, der mir jetzt alt und verwittert erscheint und mich an die Verletzungen der Vergangenheit erinnert.
Eine Grenze, die mich schützte, doch mich zugleich klein hielt und mir meine Größe verstellte.
Die Grenze hat Spuren im Wirrwarr meines zurückliegenden Lebens hinterlassen, aus dem ich schließlich auszubrechen wagte und erkennen musste, wie einsam ich hinter ihr war.
Diese alte und verwitterte Grenzruine erscheint mir heute, da ich von außen auf sie blicke, in einem fremdartigen Licht.
Plötzlich beginne ich mich zu fragen, ob ich mich vor oder hinter der betrachteten Grenzruine befinde.
Hat man je die Gewissheit, wo man sich befindet?
