In der Nähe meiner altvertrauten Wegstrecke entdecke ich aus der Ferne eine neu errichtete Andachtsstätte. Neugierig nähere ich mich ihr und ein Schrecken durchfährt mich sogleich.
Was ich erblicke ist ein bizarres Kreuz.
Zunächst will ich nicht glauben, was ich erblicke, doch dann überkommt mich maßlose Wut. Mit knorrigen Holzstücken hat man einen gekreuzigten Jesus gefertigt und stellt ihn der Öffentlichkeit zur Schau.
In meiner Wut blicke ich eine Weile lang auf das Gebilde und bin fassungslos.
Als bewusst inszenierte Schändung steht die neu errichtete Andachtsstätte vor mir. In meinem Entsetzen weigere ich mich zu verstehen, wie man ein christliches Symbol in einer solch rücksichtslosen Weise verunstalten kann.
Wurde hier etwa mit niederträchtigem Vorsatz gehandelt, aus Dummheit oder gar aus Bosheit? – Ich weiß es nicht.
Ich fühle mich betroffen und gehe verunsichert weiter. Wut und Erschrecken bleiben, begleiten mich auf meinem Weg.
In einer Zeit, in der nichts mehr heilig erscheint, wurde ein christliches Symbol und die christliche Religion entweiht.
In meiner Wut und in meinem Erschrecken glaube ich einen Angriff zu sehen und gebe ihm durch mein Sehen Bedeutung. Womöglich habe ich mehr mit diesem Angriff zu tun, als ich ahne.
Die sinnlose Opferung meines Seelenfriedens im Angesicht der von mir wahrgenommenen Blasphemie einer im Grunde bedeutungslosen Andachtsstätte.
Wir selbst sind es, die den Dingen Bedeutung geben. Wir greifen uns an, um einen Angriff zu sehen.
